Biographien

zusammengestellt von Laura Jung und Lea Sophie Preußer

Diese Sammlung von Kurzbiographien behandelt die Lebensläufe von Personen, die in der Arbeiterbewegung und sozialdemokratischen Politik in Rheinland-Pfalz tätig waren und in den Beiträgen sowie in der Chronologie Erwähnung finden.

B

Bamberger, Ludwig (1823–1899)

Ludwig Bamberger wächst in Mainz auf, wo sein Vater, ein jüdischer Kaufmann, eine Privatbank besitzt. Zum Studium der Rechtswissenschaften geht er nach Gießen und promoviert dort Anfang 1848. Zunächst schreibt Bamberger für die "Mainzer Zeitung" Berichte über das Paulskirchen-Parlament, bald jedoch wird er selbst in der Revolution aktiv. Für seine Teilnahme am badisch-pfälzischen Aufstand 1848 in führender Position wird er zum Tode verurteilt.

Bamberger flieht und lebt bis zu seiner Amnestierung 1868 im Exil. Nach seiner Rückkehr wird er Mitglied des Zollparlaments. 1871 zieht er für die nationalliberale Partei in den Reichstag und wird finanzpolitischer Berater Bismarcks. Bamberger ist maßgeblich an der Gründung der Reichsbank und der Schaffung einer neuen einheitlichen Währung beteiligt. Bis 1893 hat er einen Sitz im Reichstag inne.

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Bebel, August (1840–1913)

August Bebel wird in Deutz bei Köln als Sohn eines in preußischen Diensten stehenden Unteroffiziers geboren. Sein Vater stirbt jedoch früh. Bebel absolviert eine Drechslerlehre und kommt im Zug seiner Gesellenwanderschaft 1860 nach Leipzig. Dort macht er sich bald selbstständig und wird sächsischer Staatsbürger. 1861 tritt er in den Gewerblichen Bildungsverein ein und wird vier Jahre später Vorsitzender.

1866 wird Bebel Mitbegründer der Sächsischen Volkspartei, Abgeordneter im Norddeutschen Reichstag und Präsident des Verbands Deutscher Arbeitervereine. 1869 gründet er mit Wilhelm Liebknecht die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, aus der 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands hervorgeht. Aufgrund seiner Kritik an neuen Kriegskrediten und der Annexion des Elsass wird Bebel 1872 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach Inkrafttreten des "Sozialistengesetzes" wird Bebel als sozialdemokratischer "Agitator" 1881 aus Leipzig ausgewiesen. 1892 wird Bebel zum Parteivorsitzenden der wieder zugelassenen SPD gewählt und gehört seitdem bis zu seinem Tod fast ohne Unterbrechung dem Deutschen Reichstag an. Bebel prägte maßgeblich den Kurs der deutschen Sozialdemokratie.

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Beck, Kurt (*1949)

Kurt Beck wird in Bad Bergzabern als Sohn eines Maurers geboren. Nach dem Schulbesuch absolviert er bis 1968 eine Lehre als Elektromechaniker. 1972 wird er Vorsitzender des Personal- und Bezirkspersonalrats beim Heeresinstandsetzungswerk in seiner Heimatstadt, wo er als Funkelektroniker gearbeitet hat. Im selben Jahr tritt er der SPD bei und wird 1979 Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtages. Von 1982 bis 1985 ist Beck sozialpolitischer Sprecher der Fraktion, anschließend bis 1991 Parlamentarischer Geschäftsführer und von 1991–1994 Fraktionsvorsitzender. In den Jahren 1989 bis 1994 ist Beck zudem Bürgermeister von Steinfeld.

Ende 1993 wird er zum Landesvorsitzenden der SPD Rheinland-Pfalz gewählt und folgt ein Jahr später Rudolf Scharping im Amt des Ministerpräsidenten. Viermal (1996, 2001, 2006 und 2011) wird er als Ministerpräsident bestätigt. Von 2006 bis 2008 ist Beck Bundesvorsitzender der SPD. Anfang 2013 legt Kurt Beck seine politischen Ämter aus gesundheitlichen Gründen nieder.

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Bögler, Franz (1902–1976)

Franz Bögler wird am 4. Dezember 1902 in Speyer geboren, wo er die Mittelschule besucht. Anschließend absolviert er eine Verwaltungslehre in Metz und arbeitet bis 1933 als Verwaltungsangestellter in Speyer. Ab 1929 ist Bögler als Bezirkssekretär für die SPD Pfalz tätig. Im April 1933 zieht Bögler noch als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag ein, geht aber nach dem Verbot der SPD am 22. Juni ins Exil.

Er flüchtet zunächst in das Saargebiet, im August 1933 dann in die Tschechoslowakei. Dort ist er für die SoPaDe, den Exilvorstand der SPD, als Grenzsekretär tätig. 1938 zieht Bögler weiter nach Frankreich und 1942 in die Schweiz, wo er jeweils zwischenzeitlich interniert wird. 1943 ist er Mitbegründer der "Union deutscher Sozialisten" und übernimmt 1945 den Posten des Generalsekretärs der Organisation "Das Demokratische Deutschland". Nach seiner Rückkehr in die Pfalz 1946 wird Bögler Vorsitzender der pfälzischen SPD, Vorsitzender des pfälzischen Bezirkstages, Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz und Vizepräsident des Landtags. 1960 sorgt Bögler für Schlagzeilen, als er sich bei der Wahl zum pfälzischen Bezirkstag von zwei Abgeordneten der rechtsextremen Deutschen Reichspartei mitwählen lässt. Bögler tritt als Landtagsvizepräsident zurück, bleibt aber als Bezirkstagsvorsitzender noch bis 1962 im Amt. Wegen parteischädigendem Verhalten wird er 1962 aus der SPD ausgeschlossen.

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Brandt, Hugo (1930–1989)

Hugo Brandt wird in Mainz-Mombach geboren und besucht nach dem Abitur die Pädagogische Akademie Worms. In seiner Zeit als Grundschullehrer in Grolsheim wird Brandt ab 1960 in der SPD aktiv. Von 1969 bis 1983 sitzt Brandt als Abgeordneter des Wahlkreises Mainz im Deutschen Bundestag. 1981 übernimmt er den Landesvorsitz der SPD Rheinland-Pfalz von Klaus von Dohnanyi und ist von 1983 bis 1985 Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtages als Vorsitzender der SPD-Fraktion. Ab 1985 zieht sich Brandt aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurück. Er schreibt an einer Geschichte der SPD Rheinhessen, deren erster Teil ("Von den Anfängen 1863 bis zum Ende des Sozialistengesetzes 1890") 1991 erscheint. Hugo Brandt stirbt am 12. September 1989 in Grolsheim.

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C

Cluss, Adolf (1825–1905)

Adolf Cluss entstammt einer Heilbronner Baumeisterfamilie, verlässt die Stadt jedoch bereits in seiner Jugend. Vor Ausbruch der Revolution 1848 hält er sich unter anderem in Mainz und in Brüssel auf, wo er auch mit Karl Marx in Kontakt steht. Cluss gehört zu den Gründungsmitgliedern des Bundes der Kommunisten und des Mainzer Arbeiterbildungsvereins.

Noch im Jahr 1848 verlässt er Deutschland und schifft sich nach New York ein. Cluss arbeitet dort zunächst als Ingenieur, später dann in Washington als Architekt. Bis 1858 gilt er als Wortführer der kommunistischen Bewegung in den USA, dann zieht er sich aus der Politik zurück. Bis 1890 arbeitet er als Architekt an vielen öffentlichen Bauten der Hauptstadt. Cluss gilt bis heute in den USA als einer der bedeutendsten Architekten des 19. Jahrhunderts.

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D

David, Eduard (1863–1930)

Eduard David wächst in einer Beamtenfamilie auf, sein Vater ist preußischer Rechnungsrat. In Krofdorf bei Gießen besucht er die Volksschule. Anschließend arbeitet David zunächst als Handlungsgehilfe, studiert und wird Gymnasiallehrer in Gießen. Während des Studiums knüpft er erste Kontakte zur SPD.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst 1894 wird er Parteisekretär der SPD für Hessen-Darmstadt und steigt zu einer der führenden Persönlichkeiten der süddeutschen Sozialdemokratie auf. Von 1886 bis 1908 ist David hessischer Landtagsabgeordneter, außerdem von 1903 bis 1918 und von 1920 bis 1930 Mitglied des Reichstages. Als Revisionist vertritt er Eduard Bernsteins Vorstellung von der Sozialdemokratie als Trägerin einer praktischen Reformpolitik und tritt damit in Opposition zu den Parteilinken um Karl Kautsky und Rosa Luxemburg, die an den revolutionären Zielen des Marxismus festhalten. David ist maßgeblicher Träger der Burgfriedenspolitik während des Ersten Weltkrieges und hofft auf eine schrittweise Demokratisierung des Kaiserreiches.

1919 wird David zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt, gibt dieses Amt jedoch nach vier Tagen wieder ab. Im darauffolgenden Jahr ist er Innenminister. Bis zu seinem Tod 1930 ist er Reichstagsabgeordneter der SPD und fungiert außerdem bis 1927 als politischer Gesandter des Reiches in Hessen.

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Dohnanyi, Klaus von (*1928)

Klaus von Dohnanyi wird als Sohn des Gerichtsrates Hans von Dohnanyi in Hamburg geboren. Sein Vater ist ein zentraler Akteur der Widerstandsbewegung und wird deswegen 1945 im KZ Sachsenhausen ermordet. Nach dem Krieg macht Dohnanyi sein Abitur in St. Ottilien und studiert Jura in München, wo er 1949 promoviert. Als Stipendiat setzt er sein Studium in den USA fort.

1957 wird Dohnanyi Mitglied der SPD. Von 1969 bis 1974 ist er im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft tätig, erst als parlamentarischer Staatssekretär, ab 1972 als Minister. Im 2. Kabinett von Helmut Schmidt wird er 1976 als Staatsminister in das Auswärtige Amt berufen. 1979 wird er zum Landesvorsitzenden der SPD in Rheinland-Pfalz gewählt. Dieses Amt legt er nach seiner Wahl zum Ersten Bürgermeister Hamburgs (1981–1988) nieder. Im Laufe seines Lebens erhält Klaus von Dohnanyi verschiedene Ehrungen, unter anderem 1988 die Theodor-Heuss-Medaille, 2003 die Bürgermeister-Stolten-Medaille der Stadt Hamburg und zuletzt 2006 den Hanns-Martin-Schleyer-Preis.

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Dreyer, Malu (*1961)

Marie-Luise "Malu" Dreyer wird als Tochter eines Schuldirektors und einer Erzieherin in Neustadt an der Weinstraße geboren. Sie studiert in Mainz erst Theologie, dann Rechtswissenschaften und ist zunächst außerparteilich in der Friedens- und Frauenbewegung engagiert. Nachdem sie als Staatsanwältin und später wissenschaftliche Mitarbeiterin im rheinland-pfälzischen Landtag gearbeitet hat, wird sie 1995 Bürgermeisterin von Bad Kreuznach. 2002 wird Dreyer zur Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie in Rheinland-Pfalz berufen. Von Anfang 2005 bis Anfang 2013  ist sie Vorsitzende der SPD Trier, wo ihr Ehemann Klaus Jensen seit 2006 als Oberbürgermeister tätig ist. Nach dem Rücktritt von Kurt Beck wird Malu Dreyer am 16. Januar 2013 zur Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz gewählt.

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Dröscher, Wilhelm (1920–1977)

Wilhelm Dröscher wird in Kirn geboren und absolviert dort nach dem Besuch der Volksschule eine kaufmännische Ausbildung. Politisch aktiv wird Dröscher 1946 zunächst in der KPD, ab 1949 dann in der SPD. Von 1949 bis 1967 ist Dröscher Verbandsgemeindebürgermeister von Kirn-Land, wo er bald den Beinamen "der gute Mensch von Kirn" erhält. Dröscher begründet 1951 die Volkshochschule in Kirn und initiiert das Volksbildungswerk Kirn-Land.

Im rheinland-pfälzischen Landtag ist Dröscher von 1955 bis 1957 und von 1971 bis 1975 vertreten. Von 1957 bis 1971 ist er Abgeordneter des Bundestages und sitzt 1965 bis 1971 im Europaparlament. 1970 wird Dröscher zum Vorsitzenden der rheinland-pfälzischen SPD gewählt und bleibt dies bis zu seinem Tod. 1973 folgt die Berufung in den Bundesvorstand der SPD. 1974 wird Dröscher zum ersten Präsidenten des Bundes der Sozialdemokratischen Parteien der Europäischen Gemeinschaft (heute SPE) gewählt. Auf dem Bundesparteitag 1975 wird Wilhelm Dröscher als Nachfolger von Alfred Nau zum Bundesschatzmeister der SPD gewählt. Dröscher stirbt 1977 während des Hamburger SPD-Bundesparteitages.

Bereits kurze Zeit nach seinem Tod ruft die SPD die Wilhelm-Dröscher-Stiftung ins Leben. Seit 1983 verleiht die SPD auf ihrem Bundesparteitag den Wilhelm-Dröscher-Preis für besonderes Engagement in Partei und Gesellschaft. In Rheinland-Pfalz verleiht der SPD-Landesverband die Wilhelm-Dröscher-Plakette.

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E

Ehrhart, Franz Josef (1853–1908)

Franz Josef Ehrhart kommt als uneheliches Kind einer Dienstmagd zur Welt und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der Schulausbildung erlernt er ab 1866 in Fürth den Beruf des Tapezierers. Während seiner Lehre beginnt Ehrhart Parteiveranstaltungen der Sozialdemokraten zu besuchen. Nach der Wanderschaft kehrt Ehrhart zurück in die bayerische Pfalz, wo er sich fortan um den Aufbau einer Parteiorganisation bemüht.

Von 1877 bis 1880 begibt er sich erneut auf Reisen, unter anderem nach London, Brüssel und Paris. In London wird Ehrhart Sekretär des "Kommunistischen Arbeiterbildungsvereins" und Mitbegründer der Zeitung "Freiheit". Bei der geheimen Weiterverbreitung dieses Blattes während der Zeit des Sozialistengesetzes wird er 1880 in Mannheim verhaftet. Aus der Haft entlassen zieht Ehrhart 1884 nach Ludwigshafen, wo er 1889 als einziger Sozialdemokrat in den Stadtrat gewählt wird. Vier Jahre später zieht er in den bayerischen Landtag ein und gründet 1895 die Parteizeitung "Pfälzische Post". 1898 erlangt Ehrhart schließlich ein Mandat für den Reichstag, welches er bis zu seinem Tod innehat.

Durch seine weitreichenden Kontakte innerhalb der SPD war Ehrhart eine der prägenden Persönlichkeiten der pfälzischen Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert, was ihm den Beinamen "der rote Pfalzgraf" einbrachte.

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Engels, Friedrich (1820–1895)

Friedrich Engels wird als Sohn eines Tuchfabrikanten in Barmen geboren. Er absolviert eine Lehre als Kaufmann und arbeitet daraufhin in der Firma seines Vaters in Manchester, wo er die Lebens- und Arbeitsbedingungen des englischen Industrieproletariats aus nächster Nähe erlebt.

1842 lernt er Karl Marx kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Für die "Deutsch-Französischen Jahrbücher", die unter anderem von Marx herausgegeben werden, beginnt Engels Artikel zu verfassen. Auf Marx‘ Anregung verfasst Engels eine Abhandlung über die „Lage der arbeitenden Klasse in England“, die bis heute als eine der bedeutendsten Milieustudien aus der Zeit der Industrialisierung gilt. In London rufen Marx und Engels den "Bund der Kommunisten" ins Leben, der aus Wilhelm Weitlings 1847 gegründeten "Bund der Gerechten" hervorgeht. Im Jahr 1848 verfassen beide das "Kommunistische Manifest".

Zu Beginn der Revolution 1848/49 kehren Marx und Engels nach Deutschland zurück, um sich im Sommer 1849 dem Badischen Aufstand anzuschließen. Nach dem Scheitern der Revolution flieht Engels erneut nach England , wo er sich nun dauerhaft niederlässt. Er wird der Sekretär der "Ersten Internationalen" und verfasst Schriften zum Sozialismus. Nach Marx‘ Tod gibt er den dritten und vierten Band des "Kapitals" heraus. Engels stirbt 1895 in London an Krebs.

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F

Fuchs, Jockel (1919–2002)

Jakob "Jockel" Fuchs wird in Hargesheim (Kreis Bad Kreuznach) geboren, wo er auch das Abitur ablegt. Im Zweiten Weltkrieg gerät er in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 zurückkehrt. Ein Jahr später beginnt Fuchs eine Ausbildung in der Redaktion der SPD-Zeitung "Die Freiheit". 1950 wird er Leiter der Lokalredaktion, 1957 dann Chefredakteur. 1955 wird Fuchs in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt, dem er bis 1975 angehört. Von 1959 bis 1965 ist er Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion, zwei Jahre lang außerdem Fraktionsvorsitzender. 1966 wird Fuchs erster gemeinsamer Landesvorsitzender der SPD-Rheinland-Pfalz und löst damit den Landesvorstand aus drei gleichberechtigten Bezirksvorsitzenden ab.

Im Jahr 1965 wird Jockel Fuchs schließlich zum Oberbürgermeister von Mainz gewählt. In seiner Amtszeit entsteht der neue Stadtteil Lerchenberg, wo die Sendezentrale des ZDF angesiedelt ist. Unter Fuchs werden sechs Vororte eingemeindet und die Sanierung der Altstadt begonnen. Fuchs wird zweimal im Amt bestätigt und scheidet schließlich 1987 nach 22 Jahren aus dem Dienst aus. Zwei Jahre später wird er Mainzer Ehrenbürger. Jockel Fuchs stirbt am 6. März 2002 in Mainz.

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H

Herklotz, Luise (1918–2009)

Luise Herklotz wird in Speyer geboren, wo sie das städtische Mädchengymnasium besucht. 1935 beginnt sie bei der "Speyerer Zeitung" ihre Ausbildung zur Journalistin. Unmittelbar nach Kriegsende wird Herklotz in der Arbeiterwohlfahrt aktiv und ist 1948 Gründungsmitglied des Journalistenverbandes Pfalz.

Bereits 1949 wird Herklotz für die SPD in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt und bleibt dort bis 1957 vertreten. Von 1956 bis 1972 ist Herklotz Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1966 bis 1973 Mitglied des Europarates. 1973 gehört sie auch der UNO-Vollversammlung an. 1979 erhält sie ein Mandat für das Europäische Parlament, welches sie bis 1984 innehat. Ende der 70er Jahre übernimmt sie den Vorsitz der Arbeiterwohlfahrt in Speyer. Für ihr politisches und gesellschaftliches Engagement erhält Herklotz 1973 das Große Bundesverdienstkreuz, 2003 wird ihr das Ehrenbürgerrecht in ihrer Heimatstadt verliehen. Luise Herklotz stirbt am 25. Juli 2009 in Speyer.

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Hoffmann, Johannes (1867–1930)

Johannes Hoffmann wird als Bergmannssohn in Ilbesheim geboren und besucht das Gymnasium in Landau. Nachdem er die Präparandenanstalt in Edenkoben und das Lehrerseminar in Kaiserslautern absolviert hat, unterrichtet er ab 1890 an einer Volksschule. Von 1903 bis 1904 bildet Hoffmann sich an der Handelshochschule in Frankfurt am Main fort und hat nebenamtlich einen Sitz im Stadtrat Kaiserslautern inne. 1908 quittiert Hoffmann den Lehrdienst und kandidiert als SPD-Mitglied erfolgreich für den Bayerischen Landtag. Von 1910 bis 1919 ist er erneut Mitglied des Stadtrats in Kaiserslautern in Funktion des stellvertretenden Bürgermeisters und wird 1912 Mitglied des Reichstages.

Unter Kurt Eisner wird Hoffmann 1918 Kultusminister der bayerischen Revolutionsregierung und nach Eisners Ermordung bayerischer Ministerpräsident. Von diesem Posten tritt er nach blutigen Ausschreitungen zwischen republikanischen und rechtsextremen Freikorps bereits 1920 zurück. Nach seiner Rückkehr in die Pfalz arbeitet er erneut als Volksschullehrer. Nachdem Hoffmann 1923 plant, aus der französisch besetzten Pfalz einen selbstständigen Staat zu bilden, wird er aus dem Schuldienst entlassen. Johannes Hoffmann stirbt 1930 in Berlin.

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J

Jöst, Franz (1851–1921)

Franz Jöst wird in Magdeburg als Sohn einer Bauernfamilie geboren und erlernt in Weinheim nach dem Besuch der Volksschule den Beruf des Tischlers und Schreiners. Die Lehre schließt er im Jahr 1869 ab. Bis zum Jahr 1883 arbeitet Jöst als Möbeltischler und Bauarbeiter, wobei er sich von 1882 an ein Jahr in Südamerika aufhält. Anschließend wird er selbständiger Kehlleistenfabrikant in Mainz, wo Jöst fortan das politische Geschehen in der Stadt prägt.

Bei den hessischen Landtagswahlen 1885 gewinnen Franz Jöst und Karl Ulrich den Wahlkreis Mainz-Oppenheim und werden die ersten sozialdemokratischen Abgeordneten in einem deutschen Landtag. Im Jahr 1887 steht Jöst als einer von acht Sozialdemokraten im Mainzer "Geheimbundprozess" vor Gericht. Man wirft ihm Verstöße gegen das Sozialistengesetz Bismarcks vor und verurteilt ihn zu sechs Monaten Haft. 1890 zieht Jöst in den Reichstag ein und behält sein Mandat bis 1896. Anschließend beendet er seine politische Laufbahn, vermutlich aufgrund innerparteilicher Differenzen. Er stirbt am 11. Mai 1921 in Mainz.

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Juchacz, Marie (1879–1956)

Marie Juchacz wird als Tochter eines Zimmermanns in Landsberg in der Provinz Posen geboren. Bis 1893 besucht sie die Volksschule und geht anschließend verschiedenen Tätigkeiten nach, unter anderem als Dienstmädchen, Fabrikarbeiterin und Wärterin in der Landespsychiatrie. Schließlich findet sie eine Anstellung beim Schneider Bernhard Juchacz, den sie 1903 heiratet. Nach ihrer Scheidung 1906 zieht Marie Juchacz nach Berlin und tritt dort dem Frauen- und Mädchenbildungsverein bei, zwei Jahre später auch der SPD. 1908 wird sie zum Vorstand des SPD-Wahlvereins Neukölln gewählt, wo Juchacz eine Arbeitsgemeinschaft für Frauen gründet.

1913 wird sie Parteisekretärin, gleichzeitig arbeitet sie bis 1917 als Frauensekretärin und ist Vorstandsmitglied der Bezirkskommission für den Bezirk obere Rheinprovinz. 1917 wird sie Frauensekretärin in Berlin und übernimmt die Redaktionsleitung der Zeitschrift „Die Gleichheit“. Nach der Spaltung der SPD 1917 wird sie in den Parteivorstand der MSPD gewählt und schließlich auch in die Weimarer Nationalversammlung.

Als einziges weibliches Mitglied im verfassungsberatenden Ausschuss hält Marie Juchacz am 19. Januar 1919 als erste Frau in einem deutschen Parlament eine Rede. Im gleichen Jahr gründet Juchacz die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Von 1919 bis 1933 bleibt sie Abgeordnete des Reichstages. Nach der Machtergreifung 1933 geht Juchacz ins Exil, zunächst in das Saargebiet, dann nach Südfrankreich und schließlich nach New York, wo sie erneut eine Wohlfahrtsorganisation gründet und bis 1949 leitet. Wieder in Deutschland wird sie zur Ehrenvorsitzenden der wiedergegründeten Arbeiterwohlfahrt ernannt, politisch zieht sie sich aber zurück. Marie Juchacz stirbt am 28. Januar 1956 in Düsseldorf.

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K

Ketteler, Wilhelm Emmanuel von (1811–1877)

Wilhelm Emmanuel von Ketteler wird als Sohn des Freiherren Maximilian Ketteler in Münster geboren. Nach Abschluss der Ausbildung wird er Jurist im preußischen Staatsdienst, bis er 1844 in seiner Heimatstadt die Priesterweihe empfängt. Anschließend arbeitet Ketteler als Kaplan in Beckum und ab 1846 als Pfarrer in Hopsten. 1848/49 ist Ketteler Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Nach der Auflösung des Parlaments wird Ketteler als Propst in Berlin eingestellt und ist Fürstbischöflicher Delegat für Brandenburg und Pommern. Bereits 1850 wird Ketteler zum Bischof von Mainz geweiht. Er wirkt dort als einer der wichtigsten Repräsentanten des politischen und sozialen Katholizismus. Seine Ansätze legt er 1864 in der Schrift "Die Arbeiterfrage und das Christentum" dar. Er unterstützt karitative Maßnahmen ebenso wie die Bildung katholischer Arbeitervereinigungen. Ketteler stirbt am 13. Juli 1877 und wird im Dom zu Mainz beigesetzt.

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Kirschmann, Emil (1888–1948)

Emil Kirschmann wird 1888 in Idar-Oberstein geboren. Er arbeitet als Handlungsgehilfe, verliert seine Anstellung jedoch, weil er sozialdemokratische Zeitungen in Oberstein verteilt. Daraufhin zieht er nach Köln, wo er für den Zentralverband der Angestellten tätig wird. 1919 wird Kirschmann Redakteur der sozialdemokratischen "Rheinischen Zeitung" und sitzt von 1924 bis 1933 als SPD-Abgeordneter des Wahlkreises Koblenz-Trier im Reichstag. Hier beschäftigt er sich mit der Grenzsicherung, der Abtrennung des Saargebietes, dem Ruhrkampf und der Besatzung. Nach der Machtergreifung Hitlers flieht Kirschmann ins Saargebiet.

Als Grenzsekretär der SoPaDe koordiniert er für den Bezirk Koblenz-Trier, die Pfalz, Südhessen und Nordbaden den Widerstand und die Flüchtlingshilfe sowie auch die Zusammenarbeit der Grenzsekretariate entlang der deutschen Westgrenze. Zwei Jahre später emigriert er nach Frankreich und anschließend in die USA. Bevor er nach Deutschland zurückkehren kann, stirbt Emil Kirschmann 1948 in New York. Er wird auf dem Kölner Stadtfriedhof beigesetzt.

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Körner, Bruno (1862–1927)

Bruno Körner wird in Kayna in Thüringen geboren. Nach seiner Tischlerlehre wird er 1885 Mitbegründer des Tischler-Fachvereins Ludwigshafen. Zwei Jahre später tritt Körner der SPD bei. Ab 1891 ist er Mitglied des Gau- und Bezirksvorstands der SPD Pfalz, dessen Vorsitz er 1908 übernimmt. 1899 wird Körner in den Stadtrat von Ludwigshafen gewählt. Nach der Ausrufung eines republikanischen Freistaats Bayern im Zuge der Novemberrevolution 1918 ist Körner im Provisorischen Nationalrat Bayerns vertreten und übernimmt zeitweise die Aufgabe des Schriftführers. Zwischen 1905 und 1926 bleibt er Abgeordneter des bayerischen Landtages. 1923 wird Körner durch die französischen Besatzungsbehörden in der Pfalz festgenommen und verbringt ein Jahr in Festungshaft in Mainz, anschließend wird er ausgewiesen. Er stirbt 1927 in Ludwigshafen am Rhein.

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L

Lafontaine, Oskar (*1943)

Oskar Lafontaine wird 1943 in Saarlouis als Sohn eines Bäckers geboren. Er studiert Physik an den Universitäten Bonn und Saarbrücken. Im Jahr 1966 tritt Lafontaine der SPD bei und rückt bereits zwei Jahre später in den Landesvorstand des Saarlandes auf. Von 1970 bis 1975 ist er Abgeordneter der SPD im Saarländischen Landtag, fast zwanzig Jahre (1977 bis 1996) zudem Landesvorsitzender der Saar-SPD.

1976 wird Lafontaine zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gewählt. Er übt dieses Amt bis zum Wahlsieg der SPD bei den Landtagswahlen 1985 aus. Lafontaine wird erster sozialdemokratischer Ministerpräsident des Saarlandes und bleibt bis zu seinem Einzug in den Bundestag 1998 im Amt. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 tritt Lafontaine als Spitzenkandidat der SPD an. Am 25. April 1990 wird er bei einem Wahlkampfauftritt in Köln-Mülheim attackiert und durch einen Messerstich verletzt.

1995 setzt sich Lafontaine auf dem Mannheimer Parteitag in einer Kampfabstimmung gegen Rudolf Scharping durch und wird Bundesvorsitzender der SPD. Nach dem Regierungswechsel 1998 übernimmt Lafontaine das Finanzministerium in Gerhard Schröders Kabinett. Bereits ein knappes Jahr später verkündet Lafontaine den Rücktritt von seinen Ämtern, im Jahr 2005 folgt dann auch sein Austritt aus der SPD aufgrund unüberbrückbarer politischer Differenzen. Im selben Jahr übernimmt er den Vorsitz der neuen Bundestagsfraktion Die Linke, der Partei gehört er bis heute an.

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Lassalle, Ferdinand (1825–1864)

Ferdinand Lassalle wird in Breslau als Sohn eines jüdischen Seidenhändlers geboren und besucht dort das Gymnasium und die Handelsschule, die er jedoch abbricht. Im Jahr 1843 beginnt er das Studium der Geschichte und Philosophie, zunächst in Breslau, später in Berlin. Im Jahr 1845 reist Lassalle nach Paris, wo er Kontakt zu emigrierten deutschen Revolutionären und französischen Sozialisten aufnimmt und sich dem Studium der Rechtswissenschaften widmet.

Während der Revolution 1848/49 tritt Lassalle als Redner auf und knüpft Kontakte zu Marx und Engels. Wegen seiner radikaldemokratischen Artikel in der "Neuen Rheinischen Zeitung" wird Lassalle verhaftet und im Jahr 1849 zu sechs Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung begründet er einen Zirkel revolutionärer Arbeiter in Düsseldorf. Anfang der 1860er Jahre tritt Lassalle vermehrt als Redner in der Öffentlichkeit auf.

Mit seinem "Offenen Antwortschreiben" an den Leipziger gewerblichen Bildungsverein zur Ausrichtung eines Arbeiterkongresses, legt Lassalle das Programm zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) vor. Am 23. Mai 1863 kommen in Leipzig Delegierte aus 11 Städten zusammen und verabschieden das Programm. Lassalle wird zum Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gewählt. Bereits ein Jahr später stirbt Ferdinand Lassalle an den Folgen eines Duells in Genf.

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Lewentz, Roger (*1963)

Roger Lewentz wird am 19. März 1963 in Lahnstein geboren. Er tritt 1984 in die SPD ein und ist zunächst von 1989 bis 1994 Mitglied des Gemeinderats von Kamp-Bornhofen. Anschließend wird er Ortsbürgermeister und bleibt bis 2006 im Amt. Im gleichen Zeitraum ist Lewentz Abgeordneter im rheinland-pfälzischen Landtag und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. 1996 wird Lewentz Landesgeschäftsführer, 2002 dann erster Generalsekretär des neu geschaffenen SPD-Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Von 2006 bis 2011 ist als Staatssekretär im Innenministerium in Mainz tätig. Im Mai 2011 wird er von Kurt Beck zum Innenminister im rot-grünen Regierungskabinett ernannt. Nach Becks Rückzug aus der Politik übernimmt Lewentz 2012 schließlich den Vorsitz des SPD-Landesverbandes Rheinland-Pfalz.

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Leuschner, Wilhelm (1890–1944)

Wilhelm Leuschner wird am 15. Juni 1890 in Bayreuth geboren. Noch während seiner Ausbildung als Holzbildhauer tritt er in die SPD ein. 1909 wird er als Bezirksleiter des Darmstädter Bezirkshauerverbandes gewerkschaftlich aktiv. Ab 1924 sitzt Leuschner als SPD-Abgeordneter im Landtag des Volksstaates Hessen und wird 1928 zum Innenminister ernannt. 1932 übernimmt Leuschner den stellvertretenden Vorsitz des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) und rückt im folgenden Jahr in dessen Bundesvorstand auf.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird er vier Tage inhaftiert und von Juni 1933 bis Juni 1934 in Konzentrationslagern interniert. Nach seiner Entlassung nimmt er Kontakte mit sozialdemokratischen, kommunistischen und christlichen Gewerkschaftsführern auf, um einen gemeinsamen Widerstand zu organisieren. Er wird für eine Übergangsregierung nach einem möglichen Umsturz des Hitler-Regimes als Vizekanzler eingeplant.

Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wird Leuschner verhaftet und am 29. September im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Liebknecht, Wilhelm (1826–1900)

Wilhelm Liebknecht wird am 19. März 1826 in Gießen geboren. In den Jahren von 1843 bis 1847 studiert er unter anderem Philosophie, Theologie sowie Philologie. Neben dem Studium absolviert er eine Zimmermannslehre und lernt später Büchsenmacher.

1848 nimmt er an den revolutionären Aufständen in Paris teil und flüchtet im folgenden Jahr in die Schweiz. Hier wird er Mitglied des Genfer Arbeitervereins und macht Bekanntschaft mit Karl Marx und Friedrich Engels. Er kehrt 1862 nach Deutschland zurück und wird im darauffolgenden Jahr Mitglied im "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" (ADAV). Von 1864 bis 1865 ist Liebknecht Redakteur der Parteizeitung des ADAV "Der Social-Demokrat".

1869 gründet Liebknecht gemeinsam mit August Bebel die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands" (SDAP), die 1875 mit dem ADAV zur "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" (SAP) vereint wird. 1876 gründet Liebknecht mit  Wilhelm Hasenclever die Parteizeitung "Vorwärts" und wird 1891 einer ihrer Chefredakteure. Als Abgeordneter im Reichstag kritisiert er die Regierungspolitik Bismarcks. Zeitlebens widmet sich Liebknecht in zahlreichen Werken den Richtungsentwicklungen von Marxismus und Sozialdemokratie, aber auch historischen, bildungs- und europapolitischen Betrachtungen. Vier Jahre vor seinem Tod im Jahre 1900 wird er noch einmal wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Haft verurteilt.

Wilhelm Liebknecht, Vater des KPD-Gründers Karl Liebknecht (1871–1919), gehört neben August Bebel und Ferdinand Lassalle zu den wichtigsten Wegbereitern der Sozialdemokratie, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus.

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Ludwig, Adolf (1892–1962)

Adolf Ludwig wird am 27. Juni 1892 in Pirmasens geboren. Ab 1910 ist er in der Gewerkschaftsbewegung aktiv und wird 1919 Vorsitzender des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands in der Verwaltungsstelle Pirmasens. Ab 1918 wirkt er hier als Bürgermeister am Aufbau der Kommunalpolitik mit. Vor 1933 gehört er dem Bayerischen Landtag an. Als 1933 die Gewerkschaften zerschlagen werden, emigriert er nach Frankreich und wird in Widerstandsnetzwerken tätig. Nach Ende des Krieges 1945 engagiert sich Ludwig im Wiederaufbau der Gewerkschaften. Er wird 1947 Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Rheinland-Pfalz sowie 1949 Gründungsvorsitzender des rheinland-pfälzischen DGB, deren Vorsitz er im Jahr 1949 übernimmt. 1946 ist Ludwig Mitglied in der beratenden Landesversammlung und wird im Anschluss Abgeordneter des rheinland-pfälzischen Landtages für die SPD. Von 1949 bis zu seinem Tod 1962 ist Ludwig Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion.

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Ludwig, Werner (*1926)

Der Jurist und Politiker Werner Ludwig wird am 27. August 1926 als Sohn von Adolf Ludwig in Pirmasens geboren. Er wird 1956 Justitiar im Sozialdezernat der Stadt Ludwigshafen und übernimmt 1958 als Beigeordneter das Sozial- und Wohnungsdezernat. 1965 wird er Oberbürgermeister der Stadt Ludwigshafen und bleibt 28 Jahre im Amt. Er setzt sich für die Umgestaltung der Stadt Ludwigshafen durch zahlreiche Großprojekte ein, die eine moderne Verkehrs- und Infrastruktur begünstigten. 1990 erhält Ludwig das Große Bundesverdienstkreuz. Drei Jahre später tritt er in den Ruhestand, zu diesem Zeitpunkt war er das dienstälteste deutsche Stadtoberhaupt. 2008 wird im von Kurt Beck die Wilhelm-Dröscher-Plakette verliehen.

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M

Maschmeyer, Heinrich (1885–1945)

Der am 14. Juni 1885 in Frankfurt-Oberrad geborene Widerstandskämpfer Heinrich Maschmeyer tritt 1919 in die SPD ein. 1930 übernimmt er in Worms das Amt des Polizeidirektors. Bereits im März 1933 wird Maschmeyer im KZ Osthofen interniert und im Anschluss aus politischen Gründen aus seinem Dienst entlassen. Gemeinsam mit dem ehemaligen hessischen Innenminister Wilhelm Leuschner und anderen Mitstreitern beteiligt sich Maschmeyer am sozialdemokratischen Widerstand als Leiter einer Wiesbadener Zelle. Er steht in Kontakt mit den Beteiligten des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944, Ludwig Schwamb und Jakob Steffan. Nach Ende des Krieges wird er im Aufbau-Ausschuss Wiesbaden aktiv, einer überparteilichen Arbeitsgruppe um den späteren CDU-Kämmerer Heinrich Roos. Maschmeyer stirbt am 10. Juni 1945 mit 59 Jahren in Wiesbaden.

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Marx, Karl (1818–1883)

Karl Marx wird am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Nach seinem Philosophiestudium leitet er die oppositionelle "Rheinische Zeitung". Nach deren Verbot 1843 geht Marx nach Paris, wo er Friedrich Engels kennenlernt.

Gemeinsam rufen sie den "Bund der Kommunisten" ins Leben und verfassen 1848 das "Kommunistische Manifest".
Mit dieser Schrift werden Marx und Engels zu Vordenkern der aufkommenden Arbeiterbewegung. Zurück in Deutschland beginnt Marx mit der Herausgabe der "Neuen Rheinischen Zeitung", bis auch dieses Blatt 1849 durch Zensurbehörden verboten wird. Angesichts drohender Verhaftungen in Deutschland, Belgien und Frankreich geht Marx im gleichen Jahr ins Londoner Exil. Dort initiiert er die "Erste Internationale" und verfasst sein Hauptwerk "Das Kapital". Diese umfassende politische und ökonomische Kritik, welche auch die Arbeits- und Produktionsbedingungen der Arbeiter in kapitalistischen Gesellschaften betrifft, wird zum programmatischen Fundament des frühen Sozialismus und Kommunismus. Karl Marx stirbt am 14. März 1883 in London.Bis heute gilt Marx als einer der einflussreichsten Wirtschafts- und Gesellschaftskritiker.

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Mertes, Joachim (*1949)

Der SPD-Politiker Joachim Mertes wird am 18. April 1949 in Trier geboren. Mertes ist gelernter Bäcker und tritt 1969 während seines Bundeswehrdienstes (1967–1975) in die SPD ein. In der Partei wird er zunächst von 1975 bis 1978 als Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Rhein-Hunsrück tätig. Von 1978 bis 1983 ist er Landesgeschäftsführer der SPD Rheinland-Pfalz und von 1985 bis 1994 Geschäftsführer des SPD-Bezirks Rheinland/Hessen-Nassau. Seit Mai 1983 ist er im rheinland-pfälzischen Landtag vertreten, wo er 1994 den Vorsitz der SPD-Fraktion übernimmt. Parallel zu seiner landespolitischen Arbeit ist Mertes seit 1989 zudem Ortsbürgermeister in Buch. Am 18. Mai 2006 wird Joachim Mertes zum Präsidenten des rheinland-pfälzischen Landtages gewählt.

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O

Osterroth, Nikolaus (1875–1933)

Nikolaus Osterroth wird am 16. Februar 1875 geboren und wächst in Hettenleidelheim auf. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitet er von 1889 bis 1902 als Bergmann im Tonbergbau und ist im örtlichen Piusverein engagiert.
In den Jahren von 1895 bis 1897 leistet er seinen Militärdienst ab. In dieser Zeit bricht Osterroth mit seinem katholischen Weltbild und tritt in die SPD ein. In den folgenden Jahren wird er Lagerhalter eines Konsumvereins, Parteisekretär sowie Redakteur der Parteizeitung "Saarwacht" in Saarbrücken. 1910 übernimmt er den Vorsitz der SPD Waldenburg (Schlesien), ein Jahr später gründet er die Zeitung "Schlesische Bergwacht" als "Organ für den niederschlesischen Industriebezirk" in Waldenburg. Am Ersten Weltkrieg nimmt er von 1915 bis 1917 als Landsturmmann an der Ostfront teil. Nach der Novemberrevolution 1918 wird Osterroth in die verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt und ist anschließend von 1921 bis 1933 Mitglied des preußischen Landtags.
Nikolaus Osterroth stirbt am 19. September 1933.

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R

Reinbold, Georg (1885–1946)

Der badische Widerstandskämpfer und gelernte Schlosser Georg Reinbold wird am 22. Oktober 1885 in Triberg geboren. Nach Ende des Ersten Weltkrieges ist Reinbold in Südbaden kommunalpolitisch aktiv. Er arbeitet als Vorsitzender des Triberger Gewerkschaftskartells, bis er 1912 zum SPD-Parteisekretär für den Reichstagswahlkreis Baden berufen wird. Im Jahr 1920 übernimmt er die Redaktion der örtlichen Parteizeitung "Volkswille".

Von März 1933 bis zum Einmarsch deutscher Truppen in die westlichen Nachbarländer im Frühjahr 1940 ist Reinbold als Grenzsekretär der SoPaDe tätig, erst vom Saargebiet, seit 1935 dann von Frankreich und Luxemburg aus. Hierbei versorgt er Widerstandskämpfer in Südwestdeutschland mit Informationsmaterial und beteiligt sich an der Koordination der Flüchtlingshilfe. Reinbold ist 1938 an einer Initiative zur Vereinigung der Exil-SPD mit der 1931 gegründeten SAPD beteiligt, bevor er im Frühjahr 1940 vor deutschen Truppen über Südfrankreich in die USA flieht. Dort engagiert er sich noch 1944 für die Zusammenarbeit amerikanischer und deutscher Gewerkschafter im Exil. Georg Reinbold stirbt im Mai 1946 in New York.

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Rothley, Willi (*1943)

Der Jurist und SPD-Politiker Willi Rothley wird am 15. Dezember 1943 in Bottenbach in Rheinland-Pfalz geboren. Von 1963 bis 1974 studiert er Jura und Philosophie in Kaiserslautern. Ab dem Ende der 1970er Jahre ist Rothley in der Politik tätig. Von 1979 bis 1984 ist er im rheinland-pfälzischen Landtag vertreten, von 1980 bis 1986 ist er zudem Vorsitzender des SPD-Bezirks Pfalz und stellvertretender Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen SPD. 1984 wird er Abgeordneter im Europäischen Parlament, wo er bis 2004 tätig ist. Von 1989 bis 1999 ist Rothley dort für den Ausschuss für Recht und Bürgerrechte sowie für den Ausschuss Recht und Binnenmarkt verantwortlich. 2003 wird er Begründer und Präsident des Instituts für Europäisches Verkehrswesen in Trier.

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S

Scharping, Rudolf (*1947)

Rudolf Scharping wird am 21. Mai 1947 in Niederelbert geboren. Er studiert in Bonn politische Wissenschaften, Jura und Soziologie und tritt 1966 in die SPD ein. Von 1969 bis 1974 ist er Landesvorsitzender der Jusos, im Anschluss bis 1976 Bundesvorsitzender. In den folgenden Jahren ist Scharping vor allem in der rheinland-pfälzischen Landespolitik aktiv. Von 1984 bis 1990 ist er Vorsitzender des SPD-Bezirks Rheinland/Hessen-Nassau, von 1985 bis 1991 Vorsitzender der Landtagsfraktion und schließlich von 1985 bis 1993 Vorsitzender der SPD Rheinland-Pfalz.

1991 gewinnt die SPD die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz. Scharping wird erster sozialdemokratischer Ministerpräsident des Landes und löst damit die CDU ab, die seit 1947 an der Regierung war.
1993 wird Scharping Bundesvorsitzender der SPD, muss dieses Amt aber bereits 1995 an Oskar Lafontaine abgeben. Bei der Bundestagswahl 1994 tritt Scharping als Spitzenkandidat der SPD an und tritt dafür vom Amt des Ministerpräsidenten und seinem Landtagsmandat zurück. Im Anschluss ist er bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages, 1995 übernimmt er bis 2001 den Vorsitz der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE). Mit dem Regierungswechsel 1998 wird Scharping im ersten Kabinett Gerhard Schröders Verteidigungsminister. Nach seinem Rückzug aus der Politik 2002 ist Scharping als Sportfunktionär und seit 2005 als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer aktiv.

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Schüler, Friedrich (1791–1873)

Friedrich Schüler wird am 19. August 1791 in Bergzabern geboren. Im Dezember 1830 wird Schüler als Abgeordneter in den Bayerischen Landtag gewählt. In München entwickelt er sich zum Anführer der liberalen Opposition.

1832 gründet Schüler gemeinsam mit Johann Georg August Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer in Zweibrücken den "Deutschen Press- und Vaterlandsverein", der die Ausrichtung des Hambacher Festes vorbereitet. Schüler selbst hält keine Rede zum Fest, dennoch wird er schon bald wegen anderer öffentlicher Auftritte des Hochverrates beschuldigt. Um einer Verhaftung zu entgehen, emigriert er nach Frankreich. Nachdem am 17. Mai 1849 in Kaiserslautern eine Volksversammlung beschlossen hatte, eine provisorische, pfälzische Regierung einzusetzen, wird Schüler zum Regierungsmitglied gewählt. Dieser lehnt jedoch ab und kämpft im Landtag weiter für die Anerkennung der Reichsverfassung. Obwohl Schüler an keinen Aufständen im Zuge der Revolution beteiligt ist, wird er in Abwesenheit verurteilt und flieht im Mai 1849. Friedrich Schüler lebt bis zu seinem Tod 1873 in Lothringen.

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Schweitzer, Hans (1920–1988)

Der Gewerkschaftsfunktionär und Politiker Hans Schweitzer wird am 1. Juli 1920 in Frankfurt am Main geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung wird er zur Wehrmacht eingezogen. Im Krieg gerät er in Gefangenschaft, aus der er 1947 zurückkehrt. Schweitzer wird in der Gewerkschaft aktiv und tritt im Jahr 1953 in die SPD ein. 1967 wird Schweitzer in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt, von 1977 bis 1979 übernimmt er den Landesvorsitz der SPD Rheinland-Pfalz. Zudem ist er kommunalpolitisch aktiv. Als Fraktionsvorsitzender des Wirgeser Stadtrats unterstützt er unter anderem den Bau von Schulen, zwei Neubaugebieten, Kinderspielplätzen sowie Altentagesstätten, wofür er 1987 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet wird. 

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Selbert, Elisabeth (1896–1986)

Die Frauenrechtlerin und Juristin Elisabeth Selbert wird am 22. September 1896 in Kassel geboren. Da es ihr nicht möglich ist, die höhere Mädchenschule zu besuchen, geht sie 1912 für ein Jahr auf die Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins. Im Anschluss arbeitet Selbert als Auslandskorrespondentin bei der Kasseler Import- und Exportfirma Salmann & Co. Mit Kriegsbeginn verliert sie ihre Arbeit, von 1916 bis 1921 ist sie als Postgehilfin im Telegrafendienst tätig.

1918 lernt sie ihren späteren Ehemann, den sozialdemokratischen Kommunalpolitiker Adam Selbert, kennen und tritt im selben Jahr in die SPD ein. 1920 wird sie Delegierte der SPD-Frauenkonferenz und des SPD-Parteitages in Kassel und setzt sich bereits hier für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein. 1926 legt sie das Abitur in der Luisenschule in Kassel ab und studiert dann Rechts- und Staatswissenschaften in Marburg und Göttingen. 1934 übernimmt sie in Kassel eine Kanzlei. Nach Kriegsende wird sie Mitglied des SPD-Bezirksvorstands Hessen-Nord und wird 1946 in den hessischen Landtag gewählt.

Durch ihr Engagement wird am 18. Januar 1949 der Gleichheitsgrundsatz von Männern und Frauen als unveräußerliches Grundrecht in das Grundgesetz aufgenommen. Zwei Jahre bevor Selbert sich aus der Politik zurückzieht, wird ihr 1956 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Elisabeth Selbert stirbt am 9. Juni 1986  in Kassel.

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Siebenpfeiffer, Philipp Jakob (1789–1845)

Philipp Jakob Siebenpfeiffer wird am 12. November 1789 in Lahr im Schwarzwald geboren. Von 1810 bis 1813 studiert er Rechtswissenschaften in Freiburg, wo er von dem liberalen Professor Carl Wenzeslaus von Rotteck (1775–1840) geprägt wird. 1818 wird Siebenpfeiffer Landkommissar in Homburg und veröffentlicht bald eigene liberale Publikationen zum Thema Verwaltung und Recht, darunter die Zeitung „Rheinbaiern“, in der auch das soziale und wirtschaftliche Elend der Bevölkerung angeprangert wird. Von den Behörden wird Siebenpfeiffer strafversetzt, woraufhin dieser die Regierung verklagt. Siebenpfeiffer wird pensioniert und zieht bald darauf nach Oggersheim, wo er ab 1831 die Tageszeitung „Der Bote aus Westen“ veröffentlicht. In dieser Zeit steht Siebenpfeiffer bereits in engem Kontakt mit Friedrich Schüler und Johann Georg August Wirth. Gemeinsam gründen sie zunächst 1832 den „Press- und Vaterlandsverein“ in Zweibrücken und rufen kurz darauf zum „Hambacher Fest“ auf. Wegen seiner programmatischen Rede in Hambach wird Siebenpfeiffer noch im selben Jahr verhaftet. Wirth und Siebenpfeiffer werden im sogenannten „Assisenprozess“ zunächst angeklagt und freigesprochen, jedoch kurz darauf wegen Beamtenbeleidigung zu zwei Jahren Haft verurteilt. 1833 flüchtet Siebenpfeiffer in die Schweiz, wo er zunächst seine journalistischen Tätigkeiten weiterführt und an der Universität Bern Rechtswissenschaften lehrt. Nach mehrjähriger Krankheit stirbt Philipp Jakob Siebenpfeiffer am 14. März 1845 in einer Heilanstalt in Bern. 

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Steffan, Jakob (1888–1957)

Jakob Steffan wird am 31. Dezember 1888 in Oppenheim geboren. 1908 tritt er in die SPD ein. Von 1919 bis 1933 ist er Stadtverordneter in Oppenheim, Mitglied des Kreistages, des Provinziallandtages, des Landtages sowie des Reichstages.

Nach der Machtübernahme Hitlers wird Steffan am 31. März 1933 von der SS in "Schutzhaft" genommen und bis April 1940 in Gefängnissen und Konzentrationslagern interniert. Nach seiner Freilassung schließt er sich dem Widerstandskreis Leuschner-Gördeler-Witzleben an. Unter der Leitung von Wilhelm Leuschner organisiert er ab 1940 den Widerstand in Süd- und Rheinhessen. Zum Kriegsende wird Steffan am 26. März 1945 von der Militärregierung zum Polizeipräsidenten in Mainz und am 28. Mai 1945 zum Regierungspräsidenten für Rheinhessen ernannt. Nach Gründung des Landes Rheinland-Pfalz wird er in den ersten beiden Regierungskabinetten 1946 bis 1947 zum Innenminister und von 1949 bis 1950 zum Sozialminister von Rheinland-Pfalz berufen. Bis 1951 bleibt Steffan Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz (SPD).
Jakob Steffan stirbt am 9. Februar 1957 in Mainz.

In Erinnerung an seinen Widerstand gegen die NS-Diktatur vergibt der Verein "Rheinhessen gegen Rechts e. V." seit 2010 den Jakob-Steffan-Preis gegen Rechtsextremismus.

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Strasser, Johano (*1939)

Johano Strasser wird am 1. Mai 1939 in Leeuwarden in den Niederlanden geboren, seine Eltern sind als Esperantisten und Pazifisten engagiert. 1945 zieht die Familie nach Deutschland. Nach dem Abitur 1958 beginnt Strasser sein Studium am Auslands- und Dolmetscherinstitut in Germersheim und ist nach seinem Abschluss als Diplom-Übersetzer kurzzeitig bei den Ford-Werken in Köln tätig. 1963 beginnt er ein Studium der Philosophie in Mainz, dass er 1967 mit einer Promotion abschließt. 1977 folgt die Habilitation in Berlin, in der Zwischenzeit ist er als Dozent in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland tätig.

1967 tritt Strasser in die SPD ein und wird in den folgenden Jahren zu einem einflussreichen Vor- und Querdenker. Von 1970 bis 1975 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos, seit 1975 Mitglied der Grundwertekommission der SPD. Von 1980 bis 1988 gibt Strasser mit Günter Grass und Heinrich Böll die politisch-literarische Zeitschrift "L’80" heraus. 1983 beginnt er als freier Schriftsteller zu arbeiten. 1995 ist er zunächst Generalsekretär, von 2002 bis Mai 2013 schließlich Präsident des deutschen P.E.N.-Zentrums. 1983 erhält er gemeinsam mit Klaus Traube den "Preis des politischen Buches" der Friedrich-Ebert-Stiftung für das Werk "Die Zukunft des Fortschritts", 2002 wird ihm der Gerty-Spies-Literaturpreis des Landes Rheinland-Pfalz verliehen. Johano Strasser lebt heute in Berg am Starnberger See.

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Stumpf, Paul (1826–1912)

Paul Stumpf wird am 5. August 1826 in Mainz geboren. Noch während seiner Studienzeit in Karlsruhe engagiert er sich in einer Studentenverbindung. Nach dem Studium und einer kaufmännischen Ausbildung hält er sich von 1846 bis 1848 unter anderem in London, Paris und Brüssel auf, wo er Marx und Engels kennenlernt und Mitglied im Bund der Kommunisten wird.

Nach der Rückkehr nach Mainz 1848 wird Stumpf Mitbegründer des Mainzer Arbeiterbildungsvereins und nimmt aktiv am pfälzischen Aufstand im Zuge der Revolution 1848/49 teil. Am 12. Mai 1867 wird unter Beteiligung von Stumpf auf dem Arbeitertag in Wiesbaden-Biebrich der Mittelrheinische Arbeiterbund gegründet. Im Juni 1867 ruft er die Sektion Mainz der Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA) ins Leben und gründet den Mainzer "Sozialdemokratischen Verein", der 1875 in der vereinten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands aufgeht. Um 1870 zieht sich Stumpf aus der aktiven Politik zurück, bleibt aber in regem Briefkontakt zu August Bebel, Ferdinand Lassalle und Wilhelm Liebknecht.
Mit Liebknecht verbindet ihn eine enge Freundschaft, Stumpf wird 1871 Taufpate von Liebknechts Sohn Karl. Paul Stumpf stirbt am 15. März 1912 in Mainz.

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W

Wagner, Friedrich Wilhelm (1894–1971)

Friedrich Wilhelm Wagner wird am 28. Februar 1894 als Sohn eines Arbeiters in Ludwigshafen geboren. 1917 tritt er in die SPD ein und wird 1921 Mitglied des Bezirksvorstandes Pfalz. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg, München, Berlin und Tübingen lässt sich Wagner 1922 als Jurist in Ludwigshafen nieder, wo er auch Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und von 1925 bis 1933 Gauvorsitzender des "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" wird.

Ab 1930 ist er als Reichstagsabgeordneter tätig, bis er 1933 verhaftet wird. Er flüchtet aus dem Gefängnis in Frankenthal über die Schweiz nach Frankreich. Dort eröffnet er eine Anwaltskanzlei und spezialisiert sich auf Asylfragen, wodurch er vermehrt mit Exilorganisationen in Kontakt kommt. 1941 zieht er nach New York.

Nach dem Krieg kehrt er zurück nach Ludwigshafen und arbeitet wieder als Jurist. Im Parlamentarischen Rat zur Ausarbeitung des Grundgesetzes wird auf Wagners Antrag der Satz "Die Todesstrafe ist abgeschafft" als Art. 102 in das Grundgesetz aufgenommen. Von 1948 bis 1956 ist Wagner Präsident der Pfälzischen Anwaltskammer und von 1959 bis 1961 Präsident des Ehrengerichtshofes für Rechtsanwälte des Landes Rheinland-Pfalz. Von 1961 bis 1967 ist er schließlich Präsident des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts. Neben seiner juristischen Tätigkeit ist Wagner auch in der Politik aktiv und wird 1947 für zwei Jahre in den Landtag Rheinland-Pfalz gewählt. Er gehört dem ersten Bundestag 1949 an und bleibt bis 1961 im Parlament vertreten. Friedrich Wilhelm Wagner stirbt am 17. März 1971 in Ludwigshafen.

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Wallau, Carl (1823–1877)

Friedrich Carl Wallau wird am 8. August 1823 in Mainz geboren. Nach der Schulzeit geht er bei dem Drucker Johann Wirth in die Lehre. In Wirths Druckerei erscheint die politische Karnevalszeitung "Narrhalla". 1847 geht Wallau nach Brüssel, wo er Karl Marx und Friedrich Engels kennenlernt. Er wird Mitglied des Bundes der Kommunisten, zieht zum Ausbruch der Februarrevolution 1848 nach Paris und wird dort in das kommunistische Zentralkomitee gewählt.

Noch im selben Jahr wird Wallau nach Mainz geschickt, wo er den ersten Arbeiterbildungsverein gründet. Als Präsident des Vereins veröffentlicht er am 5. April 1848 einen Aufruf zur deutschlandweiten Gründung von Arbeitervereinen. Wallau macht sich als Drucker selbstständig und nutzt seine Werkstatt, um in Eigenregie revolutionäre Schriften zu drucken. Um 1850 zieht Wallau sich vorläufig aus der Politik zurück. 1862 wird er Präsident des Mainzer Karnevalsvereins. 1865 tritt Wallau der Deutschen Volkspartei bei und wird sechs Jahre später in den Mainzer Stadtrat gewählt. 1877 gewinnt er die Wahl zum Oberbürgermeister, stirbt jedoch im selben Jahr nach vier Monaten Amtszeit in Mainz.

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Wels, Otto (1873–1939)

Der SPD-Politiker Otto Wels wird am 15. September 1873 in Berlin geboren. Der gelernte Tapezierer sitzt seit 1912 als SPD-Abgeordneter im Reichstag und ist in den Wochen der Novemberrevolution Stadtkommandant von Berlin. 1920 leitet Wels zusammen mit Carl Legien die Organisation des Generalstreiks, der den Kapp-Putsch beendet. In der Endphase der Weimarer Republik fördert Wels die Gründung des "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" und der "Eisernen Front".

Als die nationalsozialistische Regierung am 23. März 1933 über das "Ermächtigungsgesetz" abstimmen lässt, erklärt Otto Wels im Reichstag, dass seine Partei gegen die faktische Selbstentmachtung des Parlamentes stimmen werde. Es ist die letzte freie Rede, die bis zum Ende der NS-Zeit von einem deutschen Parlamentarier gehalten wird; sie gipfelt in den Worten: "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!"

Nach dem Verbot der SPD und der Aberkennung seiner deutschen Staatsangehörigkeit geht Wels ins Exil. In Prag baut er die sozialdemokratische Exilorganisation SoPaDe auf, die ihren Sitz 1938 nach Paris verlegt. Am 16. September 1939 stirbt Otto Wels in Paris.

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Wirth, Johann Georg August (1798–1848)

Der Jurist, Politiker und Schriftsteller Johann Georg August Wirth kommt am 20. November 1798 in Hof an der Saale zur Welt. Nach dem Studium in Erlangen muss er seine Jura-Promotion wegen Geldmangel vorzeitig beenden. Wirth druckt 1830/31 eigenständig die Zeitschrift "Kosmopolit", in der er liberale Forderungen veröffentlicht. Um Verfolgungen durch die Zensurbehörden zu entgehen, entschließt er sich die Zeitschrift einzustellen und zieht 1831 nach München.

Gemeinsam mit Friedrich Schüler und Philipp Jakob Siebenpfeiffer ruft er im Jahr darauf in Zweibrücken den Press- und Vaterlandsverein ins Leben. Wirth ist einer der Organisatoren und Hauptredner des Hambacher Festes im Mai 1832. Kurz darauf wird er verhaftet und in Zweibrücken festgesetzt. In einem aufsehenerregenden Prozess in Landau, in dem er sich in einer mehrstündigen Rede verteidigt, wird er zunächst freigesprochen. Ein Jahr später wird er schließlich wegen Behördenbeleidung zu zwei Jahren Haft im Zentralgefängnis Kaiserslautern verurteilt. Nach seinem Gefängnisaufenthalt begibt sich Wirth ins Exil, erst nach Frankreich und dann in die Schweiz. Hier ist er vor allem als politischer Journalist und Schriftsteller aktiv.

Ende 1847 reist Wirth wieder nach Deutschland. Im Jahr darauf wird er in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Am 26. Juli 1848 stirbt Johann Georg August Wirth jedoch in Frankfurt am Main.

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Wischnewski, Hans-Jürgen (1922–2005)

Der SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski wird am 24. Juli 1922 in Allenstein geboren. Seine Kriegserfahrungen als Oberleutnant der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg sollten ausschlaggebend für Wischnewskis späteres Engagement für Demokratie und Frieden werden. Nach dem Krieg tritt er 1946 in die SPD und die IG Metall ein, für die er von 1953 bis 1959 als Gewerkschaftssekretär in Köln tätig ist. 1957 wird Wischnewski über die Landesliste Nordrhein-Westfalen Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er bis 1990 angehört. Von 1959 bis 1968 ist er Bundesvorsitzender der Jusos und von 1961 bis 1965 als Abgeordneter des Europäischen Parlaments tätig. Im sozialliberalen Kabinett von Helmut Schmidt ist Wischnewski zunächst Parlamentarischer Staatssekretär und von 1974 bis 1976 Staatsminister im Auswärtigen Amt. Im „Deutschen Herbst“ 1977 führt Wischnewski als Sonderbeauftragter der Bundesregierung Verhandlungen um die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“. 1979 wird Wischnewski auf dem Berliner Parteitag der SPD zum Stellvertreter des Parteivorsitzenden Willy Brandt gewählt. Von 1986 bis 1996 ist er als Vorsitzender des Nahost-Ausschusses der Sozialistischen Internationale tätig. Darüber hinaus ist Wischnewski sowohl in der arabischen Welt als auch in Südamerika auf Grund seiner langjährigen Beziehungen häufiger bei Verhandlungen in Krisenregionen in Erscheinung getreten. Hans-Jürgen Wischnewski stirbt am 24. Februar 2005 in Köln.

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Z

Zitz, Franz Heinrich (1803–1877)

Franz Heinrich Zitz wird am 18. November 1803 in Mainz geboren. Er studiert Jura in Gießen und Göttingen und wird als Rechtsanwalt in Alzey tätig. 1843 wird er Präsident des "Mainzer Carneval Vereins", der sich durch Zitz‘ Einfluss zunehmend politisiert.

1847 wird Zitz in den Landtag gewählt. 1848 ist er Mitbegründer des Mainzer "Demokratischen Vereins" und wird beim ersten deutschen Demokratenkongress in Frankfurt in den provisorischen Zentralausschuss gewählt. Im gleichen Jahr wird er Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Während des Frankfurter Septemberaufstands 1848 spricht Zitz sich für eine Abspaltung der linken Abgeordneten aus. Später muss er sich für diese Forderung vor dem Parlament rechtfertigen. Nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone ablehnt, verlässt Zitz das Parlament.

Gemeinsam mit Ludwig Bamberger beteiligt er sich als Kommandant des rheinhessischen Freikorps am pfälzischen Aufstand und gehört der provisorischen pfälzischen Regierung als Kriegsrat an. Als sich die Niederschlagung der letzten revolutionären Aufstände abzeichnet, emigriert Zitz in die USA. 1857 kann er nach Deutschland zurückkehren und stirbt am 30. April 1877 in München.

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