Drei Pfeile gegen Faschismus

Ein politisches Symbol in Geschichte und Gegenwart

Abb. 1 Eine Fahne in Mainz
Abb. 1 Eine Fahne in Mainz

Januar 2013: Am Fenster einer Studentenwohnung in Mainz hängt eine Fahne, die man so nur noch selten sieht. Sie zeigt drei weiße Pfeile auf rotem Grund: das Symbol der Eisernen Front, einem sozialdemokratischen Verteidigungsbündnis der späten Weimarer Zeit, das im Mai 1933 aufgelöst wurde. Für den Besitzer der Mainzer Fahne ist die Symbolik der Pfeile allerdings nach wie vor aktuell. Mit dem Zeichen der Eisernen Front engagiert er sich gegen Rechtsextremismus. Die Geschichte hinter der Fahne ist eine politische Lebensgeschichte. Sie erzählt von einem politischen Symbol und seiner Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart.

Politik wird sichtbar

Wer heute durch Mainz läuft, kommt vielleicht an dem Haus vorbei, aus dessen Fenster eine Fahne hängt, die man so nur noch selten sieht. Sie zeigt drei weiße Pfeile auf rotem Grund – das Symbol der Eisernen Front, einem sozialdemokratischen Verteidigungsbündnis der späten Weimarer Zeit, das im Mai 1933 aufgelöst wurde. Der Spaziergänger könnte sich fragen, was diese Fahne bedeutet, warum sie aus dem Fenster eines Wohnhauses weht und wer der Besitzer dieser Fahne ist.

Hinter dem Fenster wohnt Thomas W.1), Student an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Wir haben ihn nach der Bedeutung der Fahne an seinem Fenster gefragt. Für Thomas ist das Symbol der Eisernen Front nach wie vor aktuell. Die drei Pfeile, die in der Weimarer Republik auf den Fahnen der Kämpfer gegen den Faschismus prangten, griff Thomas auf, um sich heute aktiv gegen Rechtsextremismus einzusetzen. Die Geschichte hinter der Fahne an einem Mainzer Studentenwohnheim ist eine politische Lebensgeschichte. Sie erzählt vom Engagement im Kampf gegen rechte Gewalt, einem Symbol und seiner Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart.

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Kampf gegen Rechts in der Provinz

Thomas W. wächst in einer Kleinstadt in Rheinland-Pfalz auf. Schon früh wird er politisch aktiv. Mit 16 Jahren macht ihn ein Freund auf die Jugendorganisation der SPD, die Jusos, aufmerksam. Der Wunsch, sich für Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen, lässt Thomas Mitglied im Kreisverband der Jusos werden. Ein Jahr ist er dort stellvertretender Vorsitzender, dann kandidiert er für den Vorsitz.

Da die Wahl zwischen ihm und seinem Gegenkandidaten unentschieden endet und auch nach der Stichwahl kein Gewinner feststeht, gibt es für diese Periode zwei Vorsitzende, die sich das Amt teilen. Doch in der Folge kommt es in der Zusammenarbeit zu Reibungen und Differenzen. Thomas wird verdächtigt, einen »Umsturz« zu planen, weil er, wie er sagt, etwas anderer Meinung war – und »ein bisschen linker als die SPD an sich« (Interview Thomas W. 2013, 1). Die angespannte Stimmung macht Thomas die Arbeit bei den Jusos und im lokalen Ortsverein der SPD zukünftig unmöglich.

»Wir hatten zu der Zeit ein ziemlich schlimmes Klima, man hat sich angekeift und mir wurde ins Gesicht gesagt, dass ich ›scheiße‹ wäre. Da war ich schon ziemlich enttäuscht. […] Ich hatte mir gedacht, dass man eigentlich immer im Konsens weiterkommt und dann musste ich sehen, dass man einfach total abgelehnt wurde« (Interview Thomas W. 2013, 1).

Bei einer Demonstration positioniert er sich mit der Fahne der Jusos »in der Nähe vom sogenannten Schwarzen Block, einer Gruppierung gegen Rechtsradikalismus« (Interview Thomas W. 2013, 2), mit deren eindeutiger Einstellung gegen Faschismus er sympathisiert. Nachdem er von Mitgliedern der Jusos aufgefordert wird, sich an einen anderen Ort zu stellen, um die Jusos in der Öffentlichkeit und vor der Presse nicht mit der Antifa in Verbindung zu bringen, ist er enttäuscht von seinen Genossen und beschließt, sich aus der Partei zurückzuziehen.

Von der Parteiarbeit zur Aktionsgruppe

Thomas gründet mit einigen gleichgesinnten Freunden eine eigene Gruppe, die sich »Antifaschistische Sozialist_innen« nennt. Keiner Partei anzugehören, sondern unabhängig zu sein, ist den Mitgliedern wichtig: »Wir hatten etwas Eigenes und konnten unsere eigenen Ideen einbringen und es gab auch einfach keinen, der auf politischer Ebene gesagt hätte, dass wir etwas nicht dürfen« (Interview Thomas W. 2013, 2–3). Sie verstehen sich als sozialistische Demokraten und lehnen jegliche hierarchische Gruppenorganisation ab. Jeder ist gleichberechtigt, jeder soll und darf seine eigenen Ideen einbringen und umsetzen. »Wir brauchten keinen Sprecher, sondern haben uns immer zusammengesetzt und gemeinsam Entscheidungen durchgesprochen« (Interview Thomas W. 2013, 3).

Die Aktionsgruppe verfolgt ein klares Ziel: Widerstand gegen Rechtsradikalismus vor Ort leisten. »Wir hatten ein Neonaziproblem bei uns [...]. Dort gab es eine braune Zelle, die Ausländer oder politisch Linke verprügelt hat und die auch vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist« (Interview Thomas W. 2013, 2). Die ortsansässige Gruppe von Neonazis erfuhr »Unterstützung von der NPD und anderen Organisationen« (Interview Thomas W. 2013, 4) und sorgte schon seit einiger Zeit für Ärger. Autoreifen werden zerstochen und Fensterscheiben mit Backsteinen eingeworfen.

Abb. 2: Plakat der Antifaschistischen Sozialist_Innen

Politischer Protest

Die Gruppe der Antifaschistischen Sozialist_innen organisiert eigene Aktionen gegen die rechtsextremen Strömungen in ihrer Stadt. Sie verschickt Handlungsaufforderungen an Anwohner und Politiker. Durch Plakate, Flyer und Demonstrationen wird versucht, auf die verfassungsfeindliche Gruppierung vor Ort hinzuweisen. Im typischen Stil einer politischen Protestaktivität (Gaiser, Gille & de Rijke 2006) geht es der Gruppe um einen bewussten Normbruch, der Aufmerksamkeit erzwingen will (vgl. Paris 2000). Dies schließt auch illegale Aktionen ein. Viele werden nachts durchgeführt, um einen Überraschungseffekt zu erreichen, etwa wenn NPD-Plakate überklebt und Veranstaltungen von Rechtsradikalen gestört werden. Auf diese Weise formiert die Gruppe eine eigene Protestbewegung gegen die rechtsradikalen Strömungen in ihrer Heimatstadt.

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Ein eigenes Symbol

Das Logo der Antifaschistischen Sozialist_innen

Abb. 3: Logo der Gruppe

Bei ihrer Arbeit gegen die Rechtsradikalen vor Ort verwenden die Antifaschistischen Sozialist_innen ein eigenes Logo. Während seiner Recherchen zur Geschichte der SPD stößt Thomas auf zwei Organisationen aus der Weimarer Zeit: die Eiserne Front und die Antifaschistische Aktion (Antifa). Die Symbole der Eisernen Front und der Antifa gefallen Thomas, da sie „schon etwas Aggressives ausstrahlen“ (Interview Thomas W. 2013, 6) und seine Vorstellungen vom Kampf gegen Rechtsextremismus gut symbolisieren. Thomas W. kreiert aus den Symbolen der Eisernen Front und der Antifaschistischen Aktion ein eigenes Logo. Parallel zur der Gründung einer autonomen Gruppe, die ihren eigenen Interessen folgt, symbolisiert das Logo der Antifaschistischen Sozialist_innen die Unabhängigkeit von einem festen Parteiprogramm. Mit dem Rückgriff auf historische Symbole bedient sich die Gruppe dabei deren
zeitlich gewachsener Zeichentradition und Programmatik.

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Symbolgeschichte: Eiserne Front und Antifaschistische Aktion

Die Eiserne Front

Unter Führung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) schlossen sich die republikanischen Verbände, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, die sozialistischen Gewerkschaften und die Arbeitersportverbände, am 16.12.1931 in Berlin zur antifa-schistischen Abwehrorganisation »Die Eiserne Front« zusammen (vgl. Gotschlich 1987, 104). Die Eiserne Front gründete sich als Reaktion auf die Harzburger Front, einer Ver-einigung ultranationalistischer Verbände. Unter Führung des SPD-Vorsitzenden Otto Wels leistete die Eiserne Front aktiven Widerstand gegen den heraufziehenden national-sozialistischen Terror (vgl. Buchner 2001, 288-301; Gotschlich 1987, 106).

Das gemeinsame Kampfsymbol zeigt drei weiße parallele Pfeile auf rotem Grund, die als »Zeichen für Partei, Gewerkschaft und Reichsbanner« (Rohe 1966, 401) gelesen wurden und die damit auch die »politische, wirtschaftliche und physische Macht der Arbeiterklasse« (Rohe 1966, 401) repräsentieren. Die Eiserne Front zerfiel im Mai 1933. Zuvor waren im März das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und am 2. Mai 1933 die Gewerkschaften zerschlagen worden. Mit dem Verbot der SPD am 22. Juni 1933 fiel die letzte offizielle Repräsentation der deutschen Sozialdemokratie (vgl. Potthoff/Miller 2002, 146–147).

Abb. 4: Originalfahne der Eisernen Front

Die Antifaschistische Aktion

Die antifaschistische Bewegung entstand in Italien als Gegenbewegung zum Regime Mussolinis. Mit dem Aufkommen faschistischer Strömungen in ganz Europa verbreitete sich auch der Antifaschismus (vgl. Backes 2002, 34). Auf deutschem Gebiet etablierte sich seit 1923 besonders die »Antifaschistische Aktion«. Deren Logo zeigt zwei rote Fahnen, die für die SPD und die KPD stehen. Umschlossen werden beide von einem roten Kreis.

Seit den 1970er Jahren ist der Antifaschismus überwiegend institutionell ungebunden und besteht in unterschiedlichen autonomen Formierungen. Das Selbstverständnis der Mitglieder reicht vom Katholiken, Liberalen, Sozialisten und Kommunisten bis hin zum Anarchisten (vgl. Backes 2002, 32). Dadurch sind verschiedene Strömungen des Antifaschismus entstanden, die sich jedoch dem gemeinsamen Ziel verpflichtet sehen, gegen Imperialismus, Faschismus und Rechtsextremismus aufzutreten (vgl. Zenthöfer 2002, 407). Insbesondere Aktivisten im linksextremen Milieu verstehen sich häufig einer antifaschistischen Gruppierung zugehörig, wobei eine Parteimitgliedschaft meist abgelehnt wird (vgl. Peters 2006, 89).

Seit Ende der 1980er Jahre ist eine veränderte Version des Logos im Gebrauch. Eine der beiden ursprünglich roten Fahnen wird seither in schwarz abgebildet, was den anarchistischen Schwerpunkt antifaschistischer Gruppen aufzeigen soll. Auch zeigen die Fahnen im neuen Logo nach links und nicht mehr nach rechts.

Abb. 5: Armbinde mit dem Logo der Antifaschistischen Aktion

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Politische Symbolik und symbolische Politik

Der antifaschistische Widerstand der Weimarer Zeit wird zur Inspiration für Thomas‘ Gruppe. Sie verfolgt das gleiche Ziel: Kampf gegen Rechtsextremismus. Die Gruppe stellt sich bewusst in die Tradition der historischen Bewegung und seiner Symbolsprache: »Die drei Pfeile stehen ja gegen Nationalsozialismus, Monarchismus und Kommunismus und haben schon etwas Kämpferisches […] So konnten wir uns immer ganz klar gegen Rechtsradikalismus positionieren« (Interview Thomas W. 2013, 5; 2).

Die Gruppe bedient sich der historischen Symbole und kombiniert sie zu einem neuen Logo. Thomas geht dabei wie ein »Bastler« vor, der die Zeichen in einen neuen Sinnzusammenhang stellt. Mit dem neuen Logo entsteht eine symbolische »bricolage«.2) Die Neuaneignung ist kein Selbstzweck, sondern wird für Thomas und seine Aktionsgruppe zum kreativen Ausdruck ihres politischen Engagements.

Das Logo verbindet die historische Tradition mit den subjektiven politischen Vorstellungen und Zielen der Antifaschistischen Sozialist_innen in der Gegenwart. Dem Logo wird eine ganz eigene »politische Symbolik« (vgl. Nohlen & Grotz 2011) zugeschrieben. Es vergegenständlicht den heutigen Kampf der Gruppe gegen Faschismus und repräsentiert ihre Leitgedanken, ihre Motivation und auch ihren »Kampfgeist«.

Abb. 6: Das Gruppenlogo auf einer Fahne

Damit erfüllt das selbst kreierte Zeichen den gleichen Zweck wie andere (politische) Symbole: die Stiftung von kollektiver und personaler Identität (vgl. Deichmann 2007, 15) und die »Herstellung von Integration« (Fuchs 2011, 143). Das Logo steht stellvertretend für die ganze Gruppe und ihre Ziele, die Mitglieder identifizieren sich mit ihrem Logo und dem Namen ihrer Gruppe. »[Wir konnten] uns wirklich genau so zeigen, wie wir uns selber verstanden haben, weil wir natürlich niemanden repräsentiert haben [außer] uns selbst« (Interview Thomas W. 2013, 3).

In der Außendarstellung sorgt diese Form der Symbolpolitik für Aufmerksamkeit und Reaktionen. Thomas erzählt, dass vielen Passanten die Bedeutung des Logos unklar gewesen sei. Manche wären abgeschreckt gewesen, da die rot-weiße Farbgebung an NS-Symbole erinnerte. »Wir wurden schon des Öfteren darauf angesprochen und dann haben wir sie [die Passanten] aufgeklärt« (Interview Thomas W. 2013, 6).

Die Arbeit der Gruppe stellt durch ihr Engagement gegen Rechtsradikalismus somit eine Form der Interessenpolitik dar und ist gleichzeitig ein eigenständiger politischer Prozess (vgl. Deichmann 2007, S. 27), der über das selbst gewählte Logo kommuniziert wird. »So konnten wir uns immer ganz klar gegen Rechtsradikalismus positionieren […], weil wir uns als sozialistische Demokraten verstanden haben und auch immer noch verstehen« (Interview Thomas W. 2013, 2).

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Das Ende der Antifaschistischen Sozialist_innen

Im Kampf gegen die rechtsradikale Vereinigung vor Ort gelingt es den Antifaschistischen Sozialist_innen zunächst nicht, die Bevölkerung gegen die Neonazis zu mobilisieren. Selbst ein geplantes Straßenfest, das unter dem Motto »Bunt, nicht braun« stattfinden sollte, wird schließlich verboten. Darüber hinaus provozieren die Aktionen der Gruppe Gegenmaßnahmen der Neonazis. Immer häufiger kommt es zu Drohungen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen:

»Da war ich richtig schockiert, weil die meinen Namen kannten und mir mit dem Leben gedroht haben. Sie haben mich […] verfolgt. [...] Die Bevölkerung wusste nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte und auf der anderen Seite gab es viele Sympathisanten bei den Rechten, beziehungsweise wurde vieles totgeschwiegen und so hatte ich dann auch irgendwann kein Vertrauen mehr in die Politik, weil sie hoffte, dass sich alles von alleine lösen würde« (Interview Thomas W. 2013, 4).

Erst als der Verfassungsschutz aufmerksam wird, verändert sich die Lage. Die Zelle der rechtsextremen Gruppierung wird geräumt. Das Ziel der Antifaschistischen Sozia-list_innen ist eigentlich erreicht, auch wenn die Protestaktionen der Gruppe letztlich nicht ausschlaggebend waren. »Es hat schon sehr weh getan zu sehen, dass Rechtsradikale so viel Einfluss haben und einfach darüber geschwiegen wird und sie sich in einem Ort oder Kreis so breit machen können« (Interview Thomas W. 2013, 4).

Thomas wendet sich bald anderen Aufgaben zu. Er zieht sich aus der politischen Arbeit mit der Aktionsgruppe zurück und verlegt seinen Wohnsitz für das Studium nach Mainz. In der SPD oder einer anderen Partei sieht Thomas nach wie vor keine Zukunft für sich. Er fühlt sich mit seiner politischen Einstellung alleine und orientiert sich deshalb neu, um sich verwirklichen zu können.

»Durch mein Studium bin ich zeitlich ziemlich gebunden und nebenher bin ich noch in einem Künstlerverein aktiv und betreibe auch Sport, da habe ich kaum noch Zeit dafür. Dazu kommt auch, dass ich mich mit den Organisationen, die es hier gibt, SPD oder auf Uniebene, die Jusos und so weiter, nicht richtig identifizieren kann und bisher habe ich nichts gefunden, was mich richtig repräsentiert« (Interview mit Thomas W. 2013, 7).

Mit seiner Neigung zu einem ungebundenen, außerparteilichen politischen Engagement steht Thomas nicht alleine. Während die generelle Wahlbeteiligung der Jugendlichen seit den achtziger Jahren abnimmt, wächst die Bereitschaft, sich an sogenannten »Neuen Sozialen Bewegungen« (Gaiser, Gille & de Rijke 2006, 225) zu beteiligen. Darunter versteht man »informelle politische Gruppierungen, die spezifische soziale Probleme thematisieren und häufig mit Mitteln öffentlichen Protests agieren« (Gaiser, Gille & de Rijke 2006, 225).

Viele Jugendliche nehmen bevorzugt an politischen Aktionen teil, deren Wirksamkeit direkt erkennbar ist (vgl. Habermas 1981, 271) und bei denen unter anderem auch der »Spaß« am gemeinsamen Handeln von Bedeutung ist (vgl. Gaiser, Gille & de Rijke 2006, 230). Auf diese Weise grenzen sie sich von formal-rationalisierten Großorganisationen wie Parteien oder Gewerkschaften ab, indem sie sich flexibel und zeitlich begrenzt, meist in Hinblick auf besondere Anlässe, organisieren (vgl. Gaiser, Gille & de Rijke 2006, 225).

Auch Thomas nimmt nur noch an Demonstrationen teil, wenn ihm die Angelegenheiten am Herzen liegen. Seine Vorstellung von Politik findet er weiterhin eher in eigenen Formulierungen repräsentiert.

»Ich sehe mich als demokratischer Sozialist, so wie es auch im Parteiprogramm der SPD steht. Natürlich hänge ich immer noch an der SPD, aber durch die vielen Ent-täuschungen und meiner doch eher linkeren Einstellung, habe ich versucht, eine Mitte für mich zu finden« (Interview mit Thomas W. 2013, 5).

Die Fahne mit dem Logo der antifaschistischen Sozialist_innen spielt dabei als Symbol noch immer eine Rolle. Nach wie vor hängt sie aus seinem Wohnungsfenster in Mainz. Sie verdeutlicht für Thomas ein starkes Symbol gegen Rechtsextremismus und erinnert ihn an seine Jugend und den aktiven Widerstand, den er damals leistete.

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Literatur

Backes, Uwe (2002). Antifaschismus – Anmerkungen zu Begriff und Geschichte. In: Agethen, Manfred; Jesse, Eckhard & Neubert, Ehrhart (Hg.). Der missbrauchte Antifaschismus. DDR-Staatsdoktrin und Lebenslüge der deutschen Linken (31–39). Freiburg.

Buchner, Bernd (2001). Um nationale und republikanische Identität. Die deutsche Sozialdemokratie und der Kampf um die politischen Symbole in der Weimarer Republik. Bonn.

Deichmann, Claus (2007). Symbolische Politik und politische Symbole. Dimensionen politischer Kultur. Schwalbach.

Fuchs, Max (2011). Die Macht der Symbole. Ein Versuch über Kultur, Medien und Subjektivität. München.

Gaiser, Wolfgang; Gille, Martina & de Rijke, Johann (2006). Politische Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In: Hoecker, Beate (Hg.). Politische Partizipation zwischen Konvention und Protest. Eine studienorientierende Einführung (211–234). Opladen.

Gotschlich, Helga (1987). Zwischen Kampf und Kapitulation. Zur Geschichte des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Berlin.

Habermas, Jürgen (1981). Kleine politische Schriften (I-IV). Frankfurt a.M.

Lévi-Strauss, Claude (1973). Das wilde Denken. Frankfurt am Main.

Nohlen, Dieter & Grotz, Florian (2011). Kleines Lexikon der Politik. München.

Paris, Rainer (2000). Schwacher Dissens - Kultureller und politischer Protest. In: Roth, Roland & Rucht, Dieter (Hg.). Jugendkulturen, Politik und Protest. Vom Widerstand zum Kommerz? (49–62). Opladen.

Peters, Tim (2006). Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht. Wiesbaden.

Potthoff, Heinrich & Miller, Susanne (2002). Kleine Geschichte der SPD. 1848–2002. Bonn.

Rohe, Karl (1966). Das Reichsbanner Schwarz Rot Gold. Ein Beitrag zur Geschichte und Struktur der politischen Kampfverbände zur Zeit der Weimarer Republik. Düsseldorf.

Zenthöfer, Jochen (2002). Der Begriff »Antifaschismus« im Neuen Deutschland seit 1989. In: Agethen, Manfred; Jesse, Eckhard & Neubert, Ehrhart (Hg.). Der missbrauchte Antifaschismus. DDR-Staatsdoktrin und Lebenslüge der deutschen Linken (306–415). Freiburg.

Quellen

Interview mit Thomas W., geführt am 14.01.2013 von Verena Smogulla in Mainz.

Bildnachweis

Abb. 1: Eine Fahne mit dem Symbol der Eisernen Front in Mainz. Foto: Verena Smogulla

Abb. 2: Plakat der Antifaschistischen Sozialist_innen. Privatbesitz Thomas W.

Abb. 3: Logo der Antifaschistische Sozialist_innen. Privatbesitz Thomas W.

Abb. 4: Originalflagge der Eisernen Front. Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn (AdsD), Fahnenraum

Abb. 5: Armbinde mit dem Logo der Antifaschistischen Aktion. Deutsches Historisches Museum, Berlin/S. Ahlers.

Abb. 6: Fahne der Antifaschistischen Sozialist_innen. Privatbesitz Thomas W.

Zitierhinweis

Lang, Louisa; Smogulla, Verena & Uffelmann, Lea (2013). Drei Pfeile gegen Faschismus. Ein politisches Symbol in Geschichte und Gegenwart. In: Roth, Jonathan (Hg.). Sozialdemokratie in Rheinland-Pfalz – Dokumente aus drei Jahrhunderten. www.sozialdemokratie-rlp.de/dokumente/drei-pfeile-gegen-faschismus.html (Datum des Zugriffs).

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Endnoten

  1. Name von Verfasserinnen geändert. »